Polydaktylie Katze: Vorteil oder Qualzucht?

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Die Polydaktylie wird auch als Hemingway Mutation bezeichnet. Teilweise werden die Katzen, die fünf anstelle von vier Zehen besitzen, gezielt gezüchtet, um die Jagdfähigkeiten zu verbessern. Bekannt ist die Genmutation bereits sehr lange. Erste schriftliche Veröffentlichungen erfolgten 1861. Die Vererbung der Polydaktylie war seit 1947 bekannt.

Wie viele Zehen besitzen Katzen?

Normalerweise haben Katzen insgesamt 18 Zehen. Je fünf Zehen befinden sich auf den vorderen Pfoten und je vier Zehen auf den hinteren Pfoten. Bei der Polydaktylie Katze sind auch an den hinteren Pfoten fünf Zehen vorhanden.

Die mehrfach ausgebildeten Zehen treten vor allem bei Katzen in den USA und in England auf.

Welche Formen der Polydaktylie Katze gibt es?

Abhängig von dem Ansatzpunkt der zusätzlichen Zehen werden zwei Formen der Polydaktylie Katze unterschieden.

  1. Mittens-Form

    Die zusätzliche fünfte Zehe wächst an der Innenseite der Pfoten. Die Katze besitzt auch an den Hinterbeinen einen „Daumen“.

  2. Patty-Foot-Form

    Die zusätzliche Zehe ist weiter unten in der Mitte oder an der Seite der Pfoten angesetzt. Die Pfoten haben einen runden Querschnitt. Pro Pfote können maximal sieben Zehen ausgebildet sein.

Normalerweise haben Katzen insgesamt 18 Zehen.  ( Foto: Adobe Stock -  crystalseye  )

Normalerweise haben Katzen insgesamt 18 Zehen. ( Foto: Adobe Stock – crystalseye )

Die Polydaktylie Katze kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein ( Video)

Bei einigen mehrzehigen Katzen ist nur der Daumen verlängert, oder als zusätzliche Afterkralle an der Hinterpfote ausgebildet. Andere Katzen besitzen voll ausgebildete, zusätzliche Zehen. Die zusätzlichen Zehen sind an den Pfoten immer symmetrisch ausgebildet. Eine Mehrzehigkeit an allen vier Pfoten ist sehr selten.

Handelt es sich bei der Polydaktylie Katze um eine Qualzucht?

Die Katzen werden mit den mehrfach ausgebildeten Zehen geboren. Die Katzen lernen von Geburt an, die zusätzlichen Zehen perfekt zu nutzen und bei der Jagd nach Beute einzusetzen. Sie können problemlos laufen. Die zusätzlichen Zehen behindern die Katze nicht und verursachen auch keine Schmerzen. Es konnte auch nachgewiesen werden, dass die Polydaktylie nicht mit der Radiushypoplasie und dem Spaltfuß gemeinsam vererbt wird.

Daher kann bei der Polydaktylie nicht von einer Qualzucht im Sinne des Tierschutzgesetzes gesprochen werden.

Ursache für die Polydaktylie Katze

Die Ursache für die Polydaktylie Katze ist eine Genmutation im Regulator-Gen ZRS. Dieses Gen ist ausschließlich für die Bildung der Zehen in der embryonalen Entwicklung verantwortlich.

Die Vererbung der Mutation erfolgt autosomal dominant. Reinerbige Katzen geben das durch die Punktmutation veränderte Gen an alle Nachkommen weiter. Bei mischerbigen Katzen sind die Welpen zu 50 Prozent von der Genmutation betroffen.

Nachgewiesen konnte die Genmutation bisher nur für die Mittens-Form an den vorderen Pfoten werden. Das Gen, das die Mehrzehigkeit als Patty-Form an den hinteren Pfoten verursacht, konnte noch nicht identifiziert werden.

Video: HKM Polydaktylie Katze

Bei welchen Rassen tritt die Polydaktylie Katze auf?

Von der Fehlbildung der Zehen sind vor allem Maine Coon, Britisch Kurzhaar, Nord-Amerikanisch Kurzhaar und Pixiebob Katzen betroffen. Prinzipiell kann die Genmutation aber bei allen Katzenrassen und auch Hauskatzen vorkommen.

Wildkatzen sind ebenso von der Polydaktylie betroffen wie Rassekatzen und Hauskatzen.

Hat die Katze durch die Polydaktylie einen Nachteil?

Besitzt eine Katze an den hinteren Pfoten fünf anstelle von vier Zehen, wird die Pfote breiter. Die Katze kann sich dadurch auf matschigen Böden oder im Schnee besser fortbewegen. Die breitere Pfote mit der zusätzlichen Zehe erfüllt eine ähnliche Funktion wie ein Schneeschuh. Durch die Fehlbildung ist die Katze besser in der Lage, Beute zu verfolgen und zu erlegen.

Wird eine Katze mit Polydaktylie zur Zucht zugelassen?

Da mit der Mehrzehigkeit auch erwünschte Eigenschaften wie eine verbesserte Jagdfähigkeit verbunden sind, wurden Katzen mit Polydaktylie für die Zucht eingesetzt. Heute ist bei den Maine Coon die Polydaktylie zwar ein Schönheitsfehler, die Katzen dürfen aber für die weitere Zucht verwendet werden. Im Ahnenpass scheint die Polydaktylie als „P“ bei der Ausbildung von zusätzlichen Zehen an zwei Pfoten und als „PP“ bei zusätzlichen Zehengliedern an vier Pfoten auf.

Da mit der Mehrzehigkeit auch erwünschte Eigenschaften wie eine verbesserte Jagdfähigkeit verbunden sind, wurden Katzen mit Polydaktylie für die Zucht eingesetzt. ( Foto: Adobe Stock -  Karoline Thalhofer )

Da mit der Mehrzehigkeit auch erwünschte Eigenschaften wie eine verbesserte Jagdfähigkeit verbunden sind, wurden Katzen mit Polydaktylie für die Zucht eingesetzt. ( Foto: Adobe Stock – Karoline Thalhofer )

Nachweis der Polydaktylie Katze mit einem Gentest

Damit auch Trägerkatzen, die nur geringe äußere Zubildungen von Zehen zeigen, identifiziert werden können, sollte ein Gentest durchgeführt werden. Der Gentest ist bei Britisch Kurzhaar, Nord-Amerika Kurzhaar und Maine Coon möglich.

Untersucht wird bei dem Test das SHH Gen, das für die Ausbildung der Zehen verantwortlich ist.

Nachgewiesen werden die Punktmutationen an folgenden Genstellen:

  • PD1 – c.257G>C; g. chrA2:166784945
  • PD2 – c.481A>T; g. chrA2:166784721
  • PDH – c.479A>G; g. chrA2:166784723

Ergebnisse des Gentests:

  1. PDH/PDH: die Katze ist reinerbig und gibt das veränderte Gen an alle Nachkommen weiter. Sie ist polydaktyl.
  2. PDH/pd: Die Katze besitzt die dominante Variante und die rezessive Wildtypvariante. Sie ist polydaktyl und gibt beide Genveränderungen an die Nachkommen weiter.
  3. PD1/PD1: Die Katze ist mehrzehig. Sie hat beide dominanten Genvarianten.
  4. PD1/pd: Die dominante Variante ist mit der rezessiven Wildtypvariante kombiniert. Die Nachkommen sind zu 50 Prozent polydaktyl.
  5. PD2/PD2: die polydaktyle Katze gibt das dominante Gen an 100 Prozent der Nachkommen weiter.
  6. PD2/pd: 50 Prozent der Nachkommen sind polydaktyl.
  7. pd/pd: Die Katze trägt das rezessive Gen in sich und gibt es an die Welpen weiter. Die Nachkommen sind nicht polydaktyl.
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