Warum schnurren Katzen?

Sie kennen es, die Katze liegt auf Ihrem Schoß und auf einmal fängt gefühlt das ganze Wohnzimmer an zu vibrieren. Das Schnurren von Katzen kann ansteckend sein, aber wo kommt es her?

Katzen und ihr Schnurren: Das gehört einfach zusammen

Nicht nur Katzenbesitzer sind der Meinung, dass Katzen mit dem charakteristischen Schnurren ihre Zufriedenheit ausdrücken wollen. Manchmal ist das tatsächlich der Fall, doch die Wissenschaftler haben auch einige andere Ursachen herausgefunden. Auf jeden Fall sind es nicht nur die Hauskatzen, die zum Schnurren neigen. Wildkatzen wie Luchse und Ozelots schnurren ebenfalls und auch bei den größeren Geparden und Pumas wurde es festgestellt.

Die Katzenforscher haben ihre Studien noch nicht abgeschlossen, doch einige Dinge können sie inzwischen erklären. Zum Einen ist das Schnurren Teil ihres kommunikativen Verhaltens, außerdem gibt es tatsächlich das Wohlfühl-Schnurren, das den Körper des Tieres entspannt. In dem Schnurren können jedoch ganz unterschiedliche Signale zu erkennen sein.

Zum Einen ist das Schnurren Teil ihres kommunikativen Verhaltens, außerdem gibt es tatsächlich das Wohlfühl-Schnurren, das den Körper des Tieres entspannt. (#01)

Zum Einen ist das Schnurren Teil ihres kommunikativen Verhaltens, außerdem gibt es tatsächlich das Wohlfühl-Schnurren, das den Körper des Tieres entspannt. (#01)

Schnurren: Die Sprache der Katzen

Katzen kommunizieren auf mehrere Arten. Schon die Körperhaltung zeigt an, ob sie sich sicher oder bedroht fühlen, ob sie entspannen möchten oder auf die Pirsch gehen wollen. Ein Blick auf die genaue Stellung der Ohren, auf den entspannten oder hochgestellten Schwanz und auf die Gangart zeigt, wie die Katze drauf ist. Die Stimme ergänzt diese Kommunikationswege und dient als Instrument, um Wünsche zu verdeutlichen:

  • Ein sanftes, leises Schnurren lädt zum Streicheln ein,
  • ein gieriges, brummendes Geräusch kann ein Zeichen für Hunger sein,
  • ein aggressives, lautes Schnurren mit Übergang zum Fauchen zeigt Wut an,
  • wenn das Schnurren zum Schreien tendiert, ist es pure Angst.

Die Forscher und auch die Freunde von Katzen nehmen verschiedene Tonarten beim Schnurren wahr und erkennen, ob der Stubentiger sich wohlfühlt oder unruhig ist. Das Schnurrgeräusch passt sich der Situation an und erfüllt somit unterschiedliche Aufgaben. Darauf soll im Folgenden etwas genauer eingegangen werden.

Ein Blick auf die genaue Stellung der Ohren, auf den entspannten oder hochgestellten Schwanz und auf die Gangart zeigt, wie die Katze drauf ist. (#02)

Ein Blick auf die genaue Stellung der Ohren, auf den entspannten oder hochgestellten Schwanz und auf die Gangart zeigt, wie die Katze drauf ist. (#02)

Warum schnurren Katzen beim Streicheln?

Wenn die Katze gestreichelt wird, ist das Schnurren ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass sie sich behaglich fühlt. Hier kommt das Schnurrgeräusch als Reflex daher. Schon ganz junge Kätzchen, die bei ihrer Mutter saugen, schnurren leise vor sich hin. Beim Streicheln signalisiert das leise, helle Schnurren, dass die Welt perfekt in Ordnung ist und sich die Katze in Sicherheit fühlt. Mit diesem Gefühl der Geborgenheit geht auch eine große Friedfertigkeit einher. Manchmal schließen sich dabei die Augen, sodass das Katzengesicht einen genussvollen Ausdruck bekommt. Außerdem kann sich das Schnurren mit einem leisen Maunzen abwechseln.

Warum schnurren Katzen, wenn sie Angst haben?

Eine Katze kann auch mit dem Schnurren anfangen, wenn sie sich fürchtet. (#03)

Eine Katze kann auch mit dem Schnurren anfangen, wenn sie sich fürchtet. (#03)

Eine Katze kann auch mit dem Schnurren anfangen, wenn sie sich fürchtet. Im ersten Moment erkennt man vielleicht noch nicht, was die Ursache ist, sondern nimmt nur die Veränderung des Schnurrtons wahr. Auch wenn die Katzen allein sind, geben sie dieses ängstliche oder gestresste Schnurren von sich. In diesem Fall hat diese Lautgebung also nichts mit der Kommunikation zu tun. Möglicherweise möchten sich die Tiere selbst ein wenig beruhigen und versuchen, ihre Angst und Unruhe durch den brummenden Ton zu bekämpfen.

Das Schnurren in Stresssituationen kann auch ein Versuch sein, ein anderes Tier zu beruhigen und die Lage zu deeskalieren. Man könnte also vermuten, dass die Katze die friedliche Einstellung auf den vermeintlichen Angreifer übertragen will.

Warum schnurren Katzen bei Schmerzen?

Eine weitere unangenehme Situation, bei der Katzen oft schnurren, können Schmerzen sein. Hier gehen die Forscher von einer interessanten Theorie aus. Sie glauben, dass durch das Schnurren bestimmte Mechanismen im Körper ausgelöst werden:

  • Schnurren aktiviert Reize im Knochengerüst,
  • der Stoffwechsel wird stärker angeregt,
  • die Knochenzellen bilden sich neu,
  • die selbstheilenden Kräfte werden unterstützt.

Durch das Schnurren der Katzen könnte also der Selbstheilungsmechanismus gestärkt werden. Es versetzt den Körper in eine ständige Vibration und ist somit eine Art Training. In den entsprechenden Studien wurde ermittelt, dass durch die Schallfrequenzen, die um 25 Hertz liegen, das Knochenwachstum optimiert wird. Instinktiv stimulieren die Haus- und Wildkatzen also ihre Knochen sowie die Muskulatur. Auch die Feststellung, dass Katzen sich von einem Knochenbruch sehr schnell erholen, deckt sich mit diesen Forschungen.

Instinktiv stimulieren die Haus- und Wildkatzen ihre Knochen sowie die Muskulatur. (#04)

Instinktiv stimulieren die Haus- und Wildkatzen ihre Knochen sowie die Muskulatur. (#04)

Warum schnurren Katzen im Schlaf?

Katzen schnurren instinktiv, darum kann man dieses beruhigende Geräusch auch dann hören, wenn sie schlafen. Hängt das vielleicht mit ihren entspannenden Träumen zusammen? Oder ist es ein Zeichen ihrer friedlichen Stimmung? Was die Stubentiger träumen, weiß man nicht, doch offensichtlich fördert das Schnurren im Schlaf die Gesundheit.

Tagesaktive Tiere wie Hunde legen sich zwischendurch oft hin, um sich zu erholen. Sie laufen oft lange Strecken und dösen danach für eine Weile. Katzen ticken jedoch anders. Als Lauerjäger sind sie eher Kurzstreckenläufer. Viele Stunden am Tag bleiben sie in einer Position liegen und schlafen dabei auch oft ein. In dieser Phase entsteht das bekannte Schnurren, das den gesamten Körper leicht vibrieren lässt. Dieses kaum wahrnehmbare Training stärkt die Knochen und sorgt dafür, dass die Muskeln nicht erschlaffen. Der Grund für das Schnurren im Schlaf ist also vermutlich biologischen Ursprungs und hängt mit der Heilkraft zusammen, die eventuelle Verletzungen schneller gesunden lässt.

Als Lauerjäger sind sie eher Kurzstreckenläufer. Viele Stunden am Tag bleiben sie in einer Position liegen und schlafen dabei auch oft ein. (#05)

Als Lauerjäger sind sie eher Kurzstreckenläufer. Viele Stunden am Tag bleiben sie in einer Position liegen und schlafen dabei auch oft ein. (#05)

Kann eine Katze auch knurren?

Tatsächlich klingt das Schnurren einer Katze manchmal eher wie ein Knurren. Dieses aggressive Geräusch wird oft von einer gespannten Haltung des Tiers begleitet. Manchmal wechselt die Katze auch vom Knurren zum Fauchen, wenn sie beispielsweise eine Beute verteidigt oder ihre Jungen schützen möchte. Wenn Katzen knurren, ist das für die Gegner ein Zeichen, sich vorzusehen. Selbst größere Hunde ziehen sich lieber zurück, da sie womöglich schon einmal mit den scharfen Krallen der Hauskatze in Kontakt gekommen sind. Und auch die Katzenbesitzer hören sofort den Unterschied zwischen dem bösen Knurren und dem sanfteren Schnurren.

Forschungen zu den anatomischen und neuronalen Hintergründen

Die aktuellen Vermutungen gehen dahin, dass die Schwingungen des Stimmbänderpaares über dem Kehlkopf durch die Resonanzräume verstärkt werden. (#06)

Die aktuellen Vermutungen gehen dahin, dass die Schwingungen des Stimmbänderpaares über dem Kehlkopf durch die Resonanzräume verstärkt werden. (#06)

Neben den Fragen, warum und in welchen Situationen Katzen schnurren, hat man sich auch mit dem „Wie“ beschäftigt. Offensichtlich wird die Atemluft umgeleitet, sodass der Ursprung des Tons zwischen dem Kehlkopf und dem Zwerchfell der Katze sitzt. Mehrere Jahrzehnte lang hatten die Wissenschaftler jedoch keinen Erfolg bei ihrer Forschung, wie genau dieses Surren oder Schnurren entsteht. Die aktuellen Vermutungen gehen dahin, dass die Schwingungen des Stimmbänderpaares über dem Kehlkopf durch die Resonanzräume verstärkt werden. Für die Gleichmäßigkeit sind laut dieser Theorie die neuronalen Impulse verantwortlich, die durch einen halbwegs autonomen Neurooszillator hergestellt werden.

Es gibt allerdings auch eine Theorie, welche die bei Katzen vorhandene Vorhoffalte für den Urheber des Schnurrens hält. Als weitere Verursacher für das Schnurren kamen in der Vergangenheit auch das Zungenbein, die Blutströmungen innerhalb der Lunge und die Hauptschlagader infrage.

Schnurren ist schwierig? Nicht für Katzen

Wahrscheinlich werden die Stimmlippen im Kehlkopf der Katzen durch die Muskulatur in eine regelmäßige Schwingung gesetzt, sodass sich die Stimmritze immer wieder öffnet und verschließt. So entsteht eine Vibration, die als Schnurren erkannt wird. Die höher gelegenen Bereiche im Katzenhirn sind als neuronale Taktgeber für das Ein- und Ausschalten verantwortlich. So können die Katzen auch über einen längeren Zeitraum den Ton halten. Durch Messungen stellte man fest, dass es winzige Knacklaute beim Umschalten zwischen Ein- und Ausatmen gibt. Für den Menschen sind diese Laute jedoch nicht wahrzunehmen, da sie unter 50 Millisekunden bleiben. (Quelle: spektrum.de)

Schnurren klingt kompliziert, doch junge Katzen lernen es schon mach wenigen Tagen, sobald sich ihr neuromuskuläres System eingespielt hat. Nun entwickeln sich die modulierten Schwingungen allmählich zu einem richtigen Schnurren. Bei den kleinen Kätzchen liegt die Frequenz zunächst um 16 Hertz, bei einer erwachsenen Hauskatze erhöht sich die Schnurrfrequenz auf etwa 26 Hertz.

Schnurren klingt kompliziert, doch junge Katzen lernen es schon mach wenigen Tagen, sobald sich ihr neuromuskuläres System eingespielt hat. (#07)

Schnurren klingt kompliziert, doch junge Katzen lernen es schon mach wenigen Tagen, sobald sich ihr neuromuskuläres System eingespielt hat. (#07)

Warum Katzen schnurren: Vom sozialen Signal zum biomechanischen Nutzen

Die hier zusammengefassten Erklärungen sollen zeigen, wie unterschiedlich die Antworten lauten können, wenn man sich fragt, warum Katzen schnurren. Im Hintergrund steht dabei stets das Vibrationstraining. Dieses Prinzip machen sich mittlerweile auch einige Sporttherapeuten zunutze, auch wenn die Wirkung beim Menschen noch nicht erforscht ist.

Möglicherweise aktiviert das Schnurren die Selbstheilung der Katzen, doch im Vordergrund steht vor allem der Beruhigungsfaktor dieses regelmäßigen Geräusches. Zwischen den Katzen bedeutet ein andauerndes, ruhiges Schnurren so viel wie „alles in Ordnung“. Das ist bei Katzenmüttern und ihren Kleinen zu beobachten aber auch bei fremden Stubentigern, die sich begegnen. Als Kommunikationssignal oder als Ausdruck der gelassenen Zufriedenheit wirkt das Schnurren einer Katze auf jeden Fall beruhigend, sowohl für die Tiere selbst als auch für ihre Besitzer.


Bildnachweis: © Shutterstock-Titelbild: Impact Photography, #01: Africa Studio, #02: pyrozhenka, #03: Ermolaev Alexander, #04: Yakov Oskanov, #05: Sergey Zaykov, #06: andrewpotter4, #07: Anna Rogaleva

Über 

Iris Martin, Jahrgang bleibt ein gut gehütetes Geheimnis, ist Mutter zweier Kinder. Rabauke 1 und Rabauke 2 sind Wunschkinder ersten Grades, treiben ihre Eltern regelmäßig an den Rand der Verzweiflung und wissen sie von dort mit einem lieblichen Augenaufschlag wieder wegzuholen. Iris ist derzeit mit ihren beiden Jungs zu Hause, genießt das Leben als Vollzeitmami und hält das Chaos so im Rahmen. Neuen Herausforderungen stellt sie sich dabei gerne – immer gut gewappnet mit dem Wissen, das nur aktiv agierende Eltern haben können.

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